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Breiholdt Voscherau
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Keine Aufklärungspflicht des Maklers bei Fertighaus

1. Ein Immobilienmakler ist nicht ohne weiteres verpflichtet, einen Hinweis auf eine Fertighausbebauung zu geben.

2. Demzufolge bedarf es keines Hinweises, dass es sich bei einem zu veräußernden Wohnhaus um ein Fertighaus handelt. Ein Fertighaus ist nämlich im Vergleich zu einem in konventioneller Massivbauweise errichteten Gebäude nicht ohne weiteres ein Haus mit minderem Gebrauchs- oder Verkehrswert.
(OLG Frankfurt, Beschluß vom 1.8.2005 - 19 W 26/05)

Sachverhalt:

Der Maklerkunde, dem vom Makler ein bebautes Grundstück nachgewiesen ist, über das er einen Kaufvertrag abschließt, weigert sich, die Provision zu zahlen. Er wirft dem Makler vor, dass dieser ihm verschwiegen habe, dass das Grundstück mit einem Fertighaus bebaut sei.


Entscheidung:

Das OLG Frankfurt bejaht den Provisionsanspruch des Maklers.


Ein treuwidriges Verhalten könne dem Makler nicht vorgeworfen werden. Der Umstand, dass der Makler den Kunden nicht darauf hingewiesen habe, dass es sich um ein Fertighaus handele, stelle sich nicht als Verletzung wesentlicher Vertragspflichten dar.

Eine Hinweispflicht des Maklers besteht nach Auffassung der Frankfurter Richter nur dann, wenn dem Makler erkennbar ist, dass der fragliche Umstand eine Bedeutung für den Auftraggeber hat und dass der Auftraggeber hinsichtlich dieses Umstandes offenbar belehrungsbedürftig ist.

Ein Fertighaus ist nach Auffassung des OLG Frankfurt im Vergleich zu einem in konventioneller Massivbauweise errichteten Gebäude aber nicht ohne weiteres ein Haus mit minderem Gebrauchs- oder Verkehrswert. Selbst wenn richtig wäre, dass Fertighäuser schwieriger zu veräußern sind als in konventioneller Weise errichtete Häuser und es sich deshalb bei der Bauweise um einen wertbildenden Faktor handeln würde, war der Makler nicht zu einem Hinweis verpflichtet. Der Käufer hat nämlich keineswegs dargetan, dass er das Haus mit Rücksicht auf die Bauweise zu einem überhöhten Preis erworben habe.

Da der Käufer auch vor Abschluss des Kaufvertrages dem Makler gegenüber nicht deutlich gemacht hat, dass die Bauweise des Hauses für ihn von Bedeutung sei, war der Makler mithin nach Auffassung der Frankfurter Richter nicht verpflichtet, einen Hinweis auf die Fertigbauweise zu machen.


Fazit:

Es ist Sache des Kaufinteressenten, dem Makler gegenüber seine Wünsche und Vorstellungen hinsichtlich des zu erwerbenden Objektes geltend zu machen.

Die Sorgfalts- und Aufklärungspflichten des Maklers dürfen nicht überspannt werden.

Die Rechtsprechung - so OLG Düsseldorf vom 28.12.1988 (Az. 9 U 206/88) - sieht die Fertigbauweise eines Hauses nicht als Mangel im Sinne des § 559 BGB (a.F.) an. Auch wenn Unterschiede in der Fertigungstechnik von Fertighäusern und Häusern in konventioneller Bauweise bestehen, so handelt es sich bei den Häusern, die aus Fertigbauteilen hergestellt und errichtet werden, nicht um minderwertige oder fehlerhafte "Massiv-Wohnhäuser".

Fertighäuser sind vollwertige und brauchbare Häuser, die andere Bestandteile als Häuser konventioneller Technik haben. Lehnt der Kaufinteressent aus bestimmten subjektiven Gründen heraus die Bauweise ab, ist es seine Angelegenheit, dies dem Makler bzw. dem Verkäufer gegenüber deutlich zu machen.

Rechtsanwaltin Ricarda Breiholdt, Hamburg
Breiholdt & Voscherau Immobilienanwälte




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